Details zum Projekt

Höchster Turm der Schweiz bei seiner Einweihung im Jahr 2011

Exemplarisches Symbol für die abrupte Umwandlung des Industriestandorts in einen Dienstleistungsstandort.

Lage/Geschichte

Wo heute der Prime Tower steht, hörte man früher Maschinen, die zur Herstellung von Radritzeln dienten. Das ehemalige MaagAreal im Zürcher Kreis 5 ist heute das Entwicklungsgebiet „City West“ und ein beispielhaftes Symbol für die plötzliche Umwandlung des Industriestandorts in einen Dienstleistungsstandort. In der Nähe des Stadtzentrums, der Bahnstation Zürich Hardbrücke und der Autobahn entsteht hier ein neues Stadtviertel mit neuen Büro-, Wohn- und Hotelbauten. Und mittendrin steht der Prime Tower, der bei seiner Eröffnung der höchste Turm der Schweiz war.

Konzept

Der Prime Tower ist 126 Meter hoch. In den 36 Stockwerken dieses Büroturms arbeiten etwa 2.000 Menschen. Es gibt eine Bar im Erdgeschoss und ein öffentliches Restaurant mit Bar / Lounge im obersten Stockwerk sowie ein Konferenzzentrum im vorletzten Stockwerk. Die Mieter sind überwiegend Kunden aus dem gehobenen Dienstleistungssektor.

Das Fundament muss eine Last von 80 000 Tonnen tragen und der dynamischen Kraft von Wind und Erdbeben standhalten können. Der Prime Tower wird auf einer 2,2 Meter dicken Bodenplatte und 79 Pfählen errichtet, die bis zu 35 Meter in den Boden reichen. Das statische Prinzip beruht auf einer Tragfläche mit Gerüst. Vorgefertigte Stützen halten die Decken, die vor Ort betoniert wurden. Pro Stockwerk wurden 120 vorgefertigte Glasfassadenelemente montiert. Mithilfe eines Krans, der 2 Stockwerke darüber platziert wurde, hängten die Arbeiter die gestützten Elemente an den Rand der Decke.

Architektur

Die Architekten Annette Gigon und Mike Guyer haben eine riesige, auffällige, aber minimalistische Skulptur gebaut – eine chamäleonähnliche Kreatur, deren Glashaut jedes Mal überraschende Effekte hervorruft. Manchmal verschmelzen der Turm und sein Hintergrund, manchmal grünt er wie der Uetliberg, wird silbern wie der Himmel oder dunkel wie die Stadt im Mondlicht. Der Turm hat eine Form, die man erst versteht, wenn man ihn aus mehreren Blickwinkeln betrachtet. Der Grund dafür ist der mehrfach gefaltete Grundriss, der in seiner Grundform von oben bis unten gleich ist. Im Gegensatz zu einem gängigen Bild wird der Turm in der Höhe nicht schlanker, sondern breiter. Die freitragenden Glasfassaden, die den Prime Tower so einzigartig machen, werden von den Architekten als „Orientierungspunkte des Auges“ bezeichnet.

Im Inneren legen Gigon und Guyer den Schwerpunkt auf Stein. Zehn Meter hohe Wände aus grünem Aosta-Serpentinit dienen als Kulisse für die Lobby, während der Boden aus Terrazzoplatten den Weg zur Rezeption weist. Die Aufteilung der Räume ermöglicht eine sehr variable Nutzung; überraschenderweise kann man die Fenster öffnen.

Projekt

Die bautechnischen Herausforderungen waren in etwa so groß wie der höchste Turm der Schweiz. In Gesprächen mit erfahrenen Spezialisten für den Bau von Bürotürmen stellte sich heraus, dass ein Gerüst nicht notwendig war. Man entschied sich daher, den Rohbau mithilfe einer Kletterschalung anzuheben.

Der Bauherr empfahl, jede Woche ein Stockwerk zu bauen. Um diesen engen Zeitplan einhalten zu können, musste der Bauherr verschiedene Arbeiten parallel planen: So wurde auf vier oder fünf Stockwerken gleichzeitig gearbeitet. Für das Materiallager standen nur 800 m² zur Verfügung. Um die Lieferungen zu koordinieren, wurde eine spezielle Internetplattform eingerichtet, auf der Bauunternehmer Zeitfenster buchen konnten.

Um eine optimale Arbeitssicherheit zu gewährleisten, wurden spezielle Absturzsicherungen installiert. Fassadenmonteure, die Elemente mit einem Gewicht von mehreren hundert Kilogramm tragen mussten, konnten sich daran festhalten – eine Premiere für die Schweiz! Bis zu 400 Handwerker mussten mehrmals täglich zu ihren Arbeitsplätzen gebracht werden.

Für das Großprojekt Prime Tower wurde eine Arbeitsgruppe gegründet. Während ein zweiter Generalunternehmer die Verantwortung und die technische Leitung innehatte, lag die administrative Leitung in den Händen von Alpenda.

Nebengebäude

Neben dem Prime Tower war die Arbeitsgruppe aus den beiden Generalunternehmern auch für die beiden Nebengebäude Cubus (Hardstrasse 221, 7 Stockwerke) und Diagonal (Zahnradstrasse 21 / 23, 5 Stockwerke) verantwortlich.

Energiekonzept

Zunächst nach dem Minergie-Standard ausgerichtet, wollte der Bauherr noch einen Schritt weiter gehen und die Nachhaltigkeit nach dem amerikanischen Label LEED (Leadership in Energy and Environmental Design) zertifizieren lassen. LEED bewertet Bereiche wie Lage, Zugänglichkeit, Energieverbrauch und die Wiederverwertbarkeit von Materialien. Mit 70 Punkten erhielt der Prime Tower das Prädikat „Gold“.

Dazu hat ein intelligentes Energiekonzept beigetragen: Die Wärme für Heizung und Warmwasser wird durch die Abwärme der Kältemaschinen mit Hilfe von zwei Pumpen erzeugt. Die Pumpen arbeiten nur nachts mit Niederspannung, während die Wärme in Tanks gespeichert wird. Auch bei der Stromversorgung waren innovative Konzepte gefragt: Die Leistungsverluste sollten auf maximal 3 % reduziert werden.

Nach der LEED-Zertifizierung hat der Prime Tower noch die Minergie-Zertifizierung sowie das Greenproperty-Label der Credit Suisse erhalten.